Dank unserer Dolmetscher konnten Fernsehzuschauer die Oscarverleihung auch in der Slowakei anschauen

Oscars Dolmetschern TranslataGehören Sie auch zu den Fans der gegenwärtigen Kinematografie? Wenn ja, dann haben Sie bestimmt am 28. Februar 2017 in der Nacht von Sonntag auf Montag gespannt auf die Verleihung der renommiertesten Auszeichnung in der Welt der Filme – die Oscars – gewartet. Preisgekrönte Filme, festliche Abendkleider auf dem roten Teppich und das Begleitprogramm waren wirklich Grund genug, am Sonntag spät aufzubleiben.

Mehrere Mitglieder des Translata-Teams gehörten zu den Menschen in der Slowakei, die die Oscarverleihung live anschauten. Aber nicht aus reiner Neugier, sondern auch wegen der Erwartung, wie unsere Dolmetscher mit dem Live-Dolmetschen dieses Galaabends umgehen würden.

Translata nahm somit direkt an der Oscarverleihung teil und konnte nach der Übertragung recht zufrieden und erleichtert aufatmen. Das Dolmetschen einer Live-Übertragung setzt erfahrene und schlagfertige Dolmetscher voraus, die mehrere Tage lang Informationen zu den nominierten Filmen, Schauspielern, Regisseuren, Drehbuchautoren bzw. zu den meistverwendeten Neckereien sammelten.

Wir warteten, bis unsere zwei Dolmetscher nach der anstrengenden Nacht ausgeschlafen hatten, um ihnen zu einer hervorragenden Leistung gratulieren und ihnen ein paar Fragen stellen zu können.

 

Zuerst möchten wir uns bei euch für eine perfekte Leistung bei so einem anspruchsvollen Ereignis trotz der späten Stunde bedanken. Könnt ihr uns etwas mehr über eure Vorbereitung erzählen? Kann man sich überhaupt auf das Dolmetschen einer Live-Übertragung der Oscars vorbereiten?

 

DANIELA: Auf das Dolmetschen der Oscars haben wir uns sehr verantwortungsbewusst vorbereitet. Wir haben zuerst Informationen über die Filme, Nominierungen, Schauspieler, über die Geschichte der Oscars sowie über die Moderatoren gesammelt. Darüber hinaus haben wir uns die verfügbaren Aufnahmen aus den letzten Jahren angeschaut, um uns mit der Atmosphäre, den einzelnen Programmabschnitten usw. vertraut zu machen. Es stand uns auch ein partielles Skript zur Verfügung, das sich jedoch ständig änderte. Eine Live-Übertragung ist jedoch einzigartig und man kann nie voraussagen, was passieren wird. Das Beste, was wir tun konnten, war, möglichst viele Informationen zu sammeln, der Rest hing von unserer Schlagfertigkeit und den Dolmetscherstrategien ab, die auf mehrjährigen Erfahrungen beruhen.

MARTIN: Hm. Man kann sich nicht ganz exakt vorbereiten, weil man nicht weiß, was genau gesagt wird. Man kann eigentlich nur vermuten, was passieren wird. Wir haben uns bei der Vorbereitung von der vorherigen Oscarverleihung inspirieren lassen; das hat uns geholfen, sich in der Produktionsumgebung zu orientieren. Darüber hinaus habe ich mir die in der Kategorie für den besten Film nominierten Filme angesehen, slowakische Namen (falls vorhanden) der Filme nachgeschlagen, ein Glossar und eine Namensliste der SchauspielerInnen gemacht, Nachrichten über die Vorbereitungen hinter den Kulissen gelesen, Designer und Schnitte auswendig gelernt … Die intensive Vorbereitung dauerte ungefähr eine Woche. Wir hatten auch eine deutlich kürzere Version des Skripts zur Verfügung, was uns auch sehr geholfen hat.

Ab wann wart ihr im Studio? Habt ihr vor dem Dolmetschen spezielle Anweisungen bekommen?

 

DANIELA: Wir sind um halb zwölf nachts bei TV Markíza angekommen, um uns das Studio anzusehen, um die Vorgehensweise mit den Moderatoren zu besprechen, die Technik zu testen und einige letzte Details zu erörtern. Wir wurden angewiesen, den Roten Teppich so zu dolmetschen, dass der Mann die Rede der Männer und die Frau die Rede der Frauen dolmetscht – manchmal sind wir uns auch ins Wort gefallen. Darüber hinaus sollten wir auf Anweisungen von dem Regisseur und auf den Einsatz der Moderatoren flexibel reagieren. Es war für uns alle eine neue Erfahrung. Hiermit möchte ich auch die hervorragende Zusammenarbeit mit den Moderatoren Roman Juraško und Boris Pršo sowie mit dem ganzen Team hervorheben.

MARTIN: Wir sind gegen 23:30 im Studio angekommen, haben die Produktion und die Moderatoren kennengelernt, uns mit der Technik vertraut gemacht, die Hauptidee erörtert sowie die Strategie und die Organisation der Veranstaltung besprochen. Mit der Produktion haben wir vereinbart, dass bei dem Roten Teppich meine Kollegin die Rede der Frauen und ich die Rede der Männer dolmetschen werden. Der Grundgedanke dahinter war, dass der Zuschauer wissen soll, wer was sagt, damit die Dialoge nicht miteinander verschmelzen. Aus den USA selbst haben wir keine genauen Anweisungen über den Ablauf der Veranstaltung bekommen, wir mussten also sämtliche Probleme prompt, laufend und in dem Augenblick behandeln. Man könnte sagen, dass es ein Extremsport war.

Hattet ihr beim Dolmetschen einen Hänger – konntet ihr euch an ein gewisses Wort nicht erinnern?

 

DANIELA: Ich konnte mich zum Beispiel an den Namen der Krankheit, an der Stephen Hawking leidet, nicht erinnern, also sagte ich bei der Live-Übertragung bloß „Krankheit“. In der verkürzten Version, die abends gesendet wurde, habe ich die Information ergänzt.

MARTIN: Ich kann mich nicht erinnern, dass ich einen kompletten Hänger hatte. Es passiert jedoch immer, dass einem nicht gerade das einfällt, was man sagen möchte, deswegen muss man mit der Situation irgendwie umgehen können, aber das kennen alle Dolmetscher. Ich hatte Probleme mit Witzen (die nicht immer witzig waren, wenn man nach den Reaktionen der Zuschauer im Saal geht) und mit Wortspielen. Der Moderator hat, wenn ich mich richtig erinnere, Reese Witherspoon als Reese With the Spoon (Reese mit dem Löffel) angekündigt, was ein auf ähnlicher Aussprache gegründetes Wortspiel ist. Solche Sachen kann man ohne vorherige Vorbereitung nicht so einfach verdolmetschen, zum Glück gab es jedoch nicht viele Wortspiele dieser Art. Ich kann mich daran erinnern, dass wir mit der Produktion viel darüber nachdachten, was wir mit dem Lied, mit dem der Moderator den Abend eröffnete, machen würden. Das Problem war, wir wussten nicht, wann es kommt, wie lange es dauert und worum es in dem Lied geht. Wir haben uns jedoch entschieden, das Lied in der Live-Übertragung zu verdolmetschen, damit nicht-englischsprachige Zuschauer zumindest eine Vorstellung über dessen Inhalt haben, da dieser direkt mit dem ganzen Abend und seiner Organisation zusammenhing. Wir mussten viele solcher Entscheidungen treffen – und zwar sofort.

Was haltet ihr für das Anspruchsvollste beim Dolmetschen einer Live-Übertragung?

 

DANIELA: Die Live-Übertragung ist unvorhersehbar, unwiederholbar, unkorrigierbar. Man entscheidet sich im Bruchteil einer Sekunde und es hören viele zu. Das ist ein stressiger, gleichzeitig aber auch ein aufregender Faktor. Es ist eine große Verantwortung.

MARTIN: Ich würde sagen, die Zuschauer und ihre Erwartungen. Man weiß, dass man nie die Erwartungen von allen zufriedenstellen wird. Wenn man bei einer Ärztekonferenz dolmetscht, weiß man genau, für wen man dolmetscht und was die Zuhörer erwarten und daran passt man die Dolmetscherstrategien an. Darüber hinaus bekommt man ziemlich oft die Präsentationen vorab, damit man sich entsprechend vorbereiten kann. Hier ist es anders. Man weiß weder, was man genau dolmetschen wird, noch für wen. In diesem konkreten Fall würde ich noch sagen, dass es ziemlich anstrengend war, in der Nacht zu dolmetschen und ca. zwei Tage fast ohne Schlaf zu funktionieren.

 

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